Der Schulweg gehört zum Alltag von Kindern. Er bedeutet Freiheit, Selbstständigkeit und Bewegung, gleichzeitig stellt er besondere Anforderungen an die Verkehrssicherheit. Gerade am frühen Morgen,…
Mit E-Power und vier Achsen über Stock und Stein
Die Baustelle wird elektrisch: Der an der bauma München erstmals präsentierte eArocs 400 steht jetzt als 8x4-Fahrzeug für Testfahrten bereit. Nebst ihm rückt Mercedes-Benz Trucks anlässlich des Events «Special Trucks Driving Experience» im deutschen Stockstadt am Rhein weitere Lösungen für die Baustelle in den Fokus, so etwa die langjährig bewährte Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) oder den hydrostatischen Vorderachsantrieb (HAD). Wie die Fahreindrücke zeigen, gibt es für die Special Trucks von Mercedes-Benz on- wie offroad keine Hindernisse.
Mit einem elektrischen Vierachser ins Gelände? Hört sich aktuell noch ungewohnt an, ist in der Praxis aber ein faszinierendes Erlebnis. Bereits nach kurzem Geländeritt mit dem eArocs 400 kommt man hinterm Lenkrad zum Schluss, dass sich der E-Antrieb hervorragend fürs Gelände eignet, denn die enorme Power ab Stillstand und die Rekuperationsfähigkeit mit entsprechend hoher Bremsleistung vermitteln dem Chauffeur ein ganz neuartiges, überaus sicheres Fahrgefühl. Loser Untergrund oder mit tiefen Schlaglöchern gespickte Rumpelpisten steckt der Elektro-Vierachser genauso klaglos weg wie knackige Bergauf- oder Bergabpassagen – schlicht beeindruckend, wie der eArocs mühelos und nahezu geräuschlos die Steilrampen hochzieht! Auch das Anfahren in Steigungen stellt ihn vor keinerlei Schwierigkeiten, unter Zuhilfenahme von nacheinander Längs- und Quersperre der beiden Antriebsachsen stehen zudem üppige Reserven für optimale Traktion im schwierigen Gelänge bereit. Sofort ins Auge fallen die beiden zwecks Gewährleistung der Bodenfreiheit hochkant hinter der Kabine montierten Batteriepakete (LFP-Zellchemie, 414 kWh Kapazität, 400 kW Ladeleistung), was zwar die Aufbaulänge verkürzt, sich durch ein etwas verlängertes Chassis und die passende Positionierung der vier Achsen aber kompensieren lässt. Darstellbar sind Radstände zwischen 4,550 und 5,450 mm, das Leergewicht bewegt sich um 13 Tonnen, und angetrieben werden die beiden Hinterachsen über eine konventionelle Kardanwelle von einem 380/450 kW starken Zentralmotor mit 3-Gang-Getriebe. Fahrwerksseitig setzt der eArocs also auf bewährte Technik, nur der E-Antrieb unterscheidet ihn vom Arocs mit Dieselmotor. Fazit: Kipper-Chauffeure dürfen sich freuen, wenn ihr nächstes Fahrzeug (vielleicht) ein E-Truck sein wird.
TRK und HAD für mehr Sicherheitsreserven
Abgesehen vom eArocs stellt Mercedes-Benz Trucks eine bunte Palette weiterer Baufahrzeuge für Fahrversuche bereit, etwa den Arocs 2653 6x4 mit TRK oder den Arocs 2240 4x2 mit HAD. Besonders die seit Jahren angebotene Turbo-Retarder-Kupplung überzeugt im Fahreinsatz vollauf. Sie ermöglicht wohldosiertes Rangieren und verschleissfreies Anfahren in Steigungen, was im Baustellenverkehr und vor allem im Ausnahmetransport mit Gewichten weit jenseits der 100 Tonnen den feinen, aber entscheidenden Unterschied machen kann. Sodann verliert kilometerlanges Dauerbremsen bergab mit der TRK dank der hohen Bremskraft (bis 750 kW) und der jederzeit gewährleisteten Kühlung jeden Schrecken. Auch das sog. «Abseilen» in Steigungen – sowohl vorwärts wie rückwärts – durch Betätigen des Gaspedals gerät zum Kinderspiel und bietet hohe Sicherheitsreserven, weil bei solchen Manövern weder die Trockenkupplung noch die Betriebsbremse zum Einsatz kommen müssen. Vergleichbar überzeugend arbeitet der HAD, also der zuschaltbare hydrostatische Vorderachsantrieb, den Mercedes-Benz Trucks genau wie die TRK seit vielen Jahren im Angebot hat: Wenn die Antriebsachse(n) nicht genügend Grip finden und auch die Differenzialsperren nichts mehr auszurichten vermögen, hilft ein Knopfdruck, und schon ziehen die Radnabenmotoren den Truck aus dem Dreck, wobei die zusätzliche Traktion bis 40 kW pro Vorderrad ausmacht und bis 30 km/h zur Verfügung steht. Hauptvorteile von HAD im Vergleich zum Permanent-Allradantrieb sind natürlich das wesentlich geringere Gewicht – ergo der Nutzlastgewinn – sowie der dauerhaft tiefere Treibstoffverbrauch.
Neu: Mechanischer Nebenantrieb für eTrucks
Neu können die Modelle eActros und eArocs direkt ab Werk mit einem mechanischen Nebenantrieb (mPTO) bestellt werden. Der entscheidende Unterschied zum ePTO: Die Leistung wird nicht zuerst über einen separaten Elektromotor, sondern direkt und mechanisch zur Hydraulikanlage übertragen. Dies vereinfacht die Arbeit der Aufbauhersteller, weil die Standard-Hydraulikpumpen weiterverwendet werden können, der mPTO also grundsätzlich kompatibel ist mit bereits vorhandenen Kipper-, Silo-, Kran- oder sonstigen Aufbauten.
Verschiedene Schwerlastzugmaschinen, das Programm «Custom Tailored Trucks» – womit die im französischen Molsheim nach exaktem Kundenwunsch gefertigten Spezialfahrzeuge gemeint sind –, mannigfaltige Achskonfigurationen wie lift- und lenkbare Vor- oder Nachlaufachsen, digitale Servicelösungen im Zusammenhang mit der E-Mobilität und dem Flottenmanagement und nicht zu vergessen das unverwüstliche «Universal-Motor-Gerät» namens Unimog: Der Mercedes-Event, durchgeführt im Coreum (siehe www.coreum.de), einer Location mit 15 bauspezifischen Themenparks, mit 50 Marken-Partnern, hunderten Baumaschinen, Fahrzeugen und Anbaugeräten aller Art, bietet umfassende Einblicke in die Angebotsvielfalt der Marke – für detaillierte Informationen und massgeschneiderte Lösungen rund um die Baustelle empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit der lokalen Schweizer Mercedes-Benz-Trucks-Vertretung, zumal sich auch viele Schweizer Vertriebsleute im Coreum kundig gemacht haben.
Jubiläum: 30 Jahre Actros
Ach ja, Trommelwirbel – dieses Jahr feiert der Actros seinen 30. Geburtstag! Erstmals 1996 an der IAA Nutzfahrzeuge vorgestellt, hat das Mercedes-Flaggschiff in all den Jahren viele Stürme gemeistert (Euro-Normen etc.) und unzählige Entwicklungsschritte durchlaufen. Erinnert sei nur an die Umstellung von den V6/8-Motoren auf die Reihensechszylinder im Zuge der Euro VI-Norm, an die Vielzahl der laufend weiterentwickelten Assistenzsysteme, die Einführung der MirrorCam 2018, natürlich an den Beginn der E-Mobilität 2021, als der eActros 300/400 in Serie ging, sowie an 2023, als der eActros 600 mit seiner charakteristischen ProCabin aus der Taufe gehoben wurde. Und wenn der Actros ein Jubiläum feiert, feiert automatisch auch die Marke Daimler einen runden Geburtstag, heuer ihren 130sten. Denn 1896 baute Gottlieb Daimler den allerersten Lastwagen der Welt überhaupt, den «Daimler Motor-Lastwagen» mit 4 PS Leistung, 12 km/h Höchstgeschwindigkeit und 1,5 t Nutzlast. Genau wie heute waren auch damals die Entwicklungen auf lange Sicht nicht absehbar, aber der «Daimler Motor-Lastwagen» gilt mittlerweile als Urahn aller modernen Lastwagen. Wie wird man wohl den eActros 600 in 100 Jahren im Rückblick bewerten, kürt man ihn dereinst vielleicht auch zum Wegbereiter einer neuen, erfolgreichen Ära? Gut, wird einzig der Ablauf der Zeit Antworten liefern können…
Quellenangabe Fotos: Fabian Schmid / Daimler Truck AG


















