Das neue Erhebungssystem LSVA III hat per 1. Januar 2026 das alte System LSVA II vollständig abgelöst.
GV Schaffhausen: Gemeinsam in die Zukunft des Strassentransports
Die Generalversammlung der ASTAG‑Sektion Schaffhausen bot Raum für Rückblick, personelle Entscheide und aktuelle verkehrspolitische Themen. Fachreferate und Nachwuchsfragen standen im Zentrum.
Die Location
Die Generalversammlung fand im Restaurant Schützenhaus in Schaffhausen statt.
Der Jahresbericht des Präsidenten
Präsident Patrick Wäckerlin blickte auf ein intensives Jahr zurück: Besuche verschiedener Sektions-GVs, eindrückliche Referate, u. a. Drohnentechnologie (UFO Aerospace) an der GV Zürich, sowie die Delegiertenversammlung in Schaan. In der Region wurden Nachwuchs- und Imageprojekte vorangetrieben: Bei der Aktion «Ferienpass» konnten junge Menschen «LKW-Luft» schnuppern und an der Berufsmesse Schaffhausen war die Sektion mit einem starken Auftritt präsent. Auch der Info-Tag bei Camion Transporte AG war ein gelungener Anlass. Der Jahresbericht des Präsidenten wurde durch Informationen von diversen Vorstandsmitgliedern ergänzt. Die neu in den Vorstand gewählte Deborah Isliker, welche SVP-Kantonsrätin von Schaffhausen ist, beleuchtete verkehrspolitische Themen wie die Verkehrsfluss‑Initiative und die zunehmende Einführung von 30‑km/h‑Zonen.
Die Stimmung
Ausgelassen und kollegial – man freute sich über das Wiedersehen und stiess miteinander an.
Das Essen
Nach dem spannenden Referat von Marco Michel (MAN Schweiz) wurde das von der Sektion offerierte Nachtessen serviert: grüner Blattsalat mit Ei und French Dressing; Kartoffelstock mit Braten, Jus und gedämpftem Gemüse; zum Dessert zwei Kugeln Vanilleglace mit heissen Beeren.
Die Gäste
Thierry Burkart, Zentralpräsident ASTAG
Marco Michel, MAN Schweiz AG
Das gab zu reden I
Tamara Ueber wurde in einer ausserordentlichen Wahl als Nachfolgerin für Sabrina Scherrer für das Ressort Nachwuchs in den Vorstand ohne Gegenstimmen gewählt. Sabrina Scherrer war vier Jahre im Vorstand der Sektion und für Nachwuchs- und Ausbildungsthemen verantwortlich. Sie hat diverse Infotage organisiert und wertvolle Impulse eingebracht.
Das gab zu reden II
Der Antrag von Edi Looser zeigte auf, welches Potenzial im Strassentransport als Ausbildungs- und Integrationsbranche steckt. Anhand zweier Praxisbeispiele verdeutlichte er, dass junge Menschen, die im schulischen System Schwierigkeiten hatten oder den Anschluss verloren haben, mit individuellen und praxisnahen Ausbildungswegen erfolgreich in den Beruf integriert werden könnten. Beide Beispiele stehen für Ausbildungsmodelle, bei denen Praxis und persönliche Betreuung im Vordergrund stehen. Durch eine sogenannte kantonale Anlehre erhielten die Betroffenen ein individuell abgestimmtes Kompetenzprofil.
Referat I
Thierry Burkart präsentiert in drei Punkten aktuelle Themen aus dem Verband:
1. Elektrifizierung des Schwerverkehrs
Die Elektrifizierung im Strassentransport nimmt Fahrt auf. Der steigende Anteil von Elektro‑Lastwagen bei den Neuzulassungen zeigt, dass die Technologie heute marktfähig ist. Gleichzeitig stellen die hohen Anschaffungskosten und der Aufbau der Ladeinfrastruktur insbesondere für kleine und mittlere Transportunternehmen eine grosse Herausforderung dar. Klar ist: Der Wandel ist im Gang – er muss jedoch wirtschaftlich tragbar bleiben.
2. Weiterentwicklung der LSVA
Im Zentrum der politischen Arbeit der ASTAG steht die Weiterentwicklung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe. Ziel ist die Integration alternativer Antriebe und der neuen Euro‑7‑Norm in ein zukunftsfähiges Abgabesystem. Die ASTAG fordert dabei eine spürbare, zeitlich begrenzte Rabattierung für emissionsarme Fahrzeuge sowie klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Entscheidend ist eine mehrjährige Planungssicherheit, damit Transportunternehmen Investitionen verlässlich planen können.
3. Verlagerungspolitik
Als drittes grosses Thema sprach Thierry Rockhardt die Verlagerungspolitik an. Aktuell ist wieder eine zunehmende Verlagerung von Gütertransporten von der Schiene auf die Strasse zu beobachten, und das primär im Transitverkehr. Diese Entwicklung erhöht den politischen Druck auf den Strassentransport und befeuert Forderungen nach weiteren Belastungen wie einer Erhöhung der LSVA.
Referat II
Marco Michel von der MAN Schweiz AG berichtete von einem aussergewöhnlichen humanitären Hilfsgütertransport der Firma Schöni Transporte AG, der im Februar 2025 nach Liberia führte. Nach rund einem Jahr Vorbereitung starteten vier Lastwagen von der Schweiz aus – beladen bis auf den letzten Millimeter mit Hilfsgütern sowie Traktoren, die in Afrika für Ausbildungsprojekte eingesetzt werden.
Die Route führte durch insgesamt mehrere Länder und verlangte den Beteiligten alles ab. Bereits zu Beginn verzögerte sich die Verschiffung um drei Tage, da das Vorhaben, mit vier Lastwagen aus Europa nach Liberia zu fahren, bei den Behörden Misstrauen auslöste. In der Folge zeigte sich, dass Zeitpläne relativ sind: Bis zum Erreichen des Zielortes vergingen 21 Tage.
Besonders herausfordernd waren die Strecken durch Wüste und Dschungel. Die unvorstellbar schlechten Strassenverhältnisse zwangen die Fahrer streckenweise, lediglich 17 km/h zu fahren. Mehrmals mussten sich die Fahrer ihre Fahrzeuge aus tiefem Sand freischaufeln, feiner Wüstensand setzte zudem die Lüftungssysteme der europäisch gebauten Lastwagen ebenfalls zu. An der Grenze zu Mauretanien verbrachte das Team drei Tage mitten in der Wüste. Natürlich ohne sanitäre Einrichtungen und in brütender Hitze. Das berüchtigte No‑Man’s‑Land erinnert an den Mad‑Max‑Film.
Überdimensionale und komplett überladene Lastwagen waren keine Seltenheit. Die Fahrer trafen auf der Reise auf einen bis zu sieben Meter hoch beladenen Lastwagen. Begegnungen auf den sehr schmalen Strassen wurden so zu riskanten Manövern. Bei Nacht noch riskanter als bei Tage. Da in diesen Ländern mehrheitlich ohne Licht gefahren wird. Im Gegensatz zur Schweiz, sind die Lastwagen oft mit drei bis vier Chauffeuren pro Fahrzeug besetzt. Vom Chauffeur bis zum Mechaniker. Darunter auch meistens Kinder.
Auch der Rückweg blieb anspruchsvoll. Für die Heimfahrt wurden drei Lastwagen während drei Tagen mit Melonen beladen, ehe ein Sandsturm den Lack, die Scheinwerfer und sogar die Nummernschilder abschliff. Die unleserlichen Schilder führten dann wiederum zu Geldbussen.
Erst nach 42 Tagen, davon standen die Fahrer 12 Tage ausschliesslich an Grenzen und Zollstellen, und legten rund 16’700 Kilometern kehrte der Konvoi wieder in die Schweiz zurück. Michel hielt fest, dass dieser Transport eindrücklich gezeigt habe, welche physischen, technischen und mentalen Extrembedingungen im internationalen Hilfsgütertransport auftreten können.
Mehr Informationen zu dieser eindrücklichen Reise
www.tiktok.com/@viertelabelfi
schoeni.ch/on-the-road-to-liberia/











