Personentransport

Wirtschaftsfaktor Reisebus

Veröffentlicht am 13.12.2017 | Aktualisiert am 17.10.2023 | von Stefan Huwyler

In der Schweiz stehen rund 450 Reisebusunternehmen im Dienst von Bevölkerung und Tourismus. Sie betreiben rund 2‘900 Reisebusse (schweizerdeutsch: Cars oder Reisecars) und bedienen damit jährlich rund 10,4 Millionen Fahrgäste. Kleine (20 Prozent) und mittlere (66 Prozent) Unternehmen dominieren die Branche; nur 1 Prozent aller Unternehmen verfügen über mehr als 20 Cars. Die Hochschule Luzern hat in Zusammenarbeit mit der ASTAG die Bedeutung der Schweizer Reisebusbranche als Wirtschaftsfaktor berechnet. Die Ergebnisse wurden in der ASTAG-Schriftenreihe Nr. 5 "Wirtschaftsfaktor Reisebus" abgebildet.

Für die Ermittlung der Wertschöpfung und Anzahl Arbeitsplätze wurde das Wertschöpfungsmodell der Hochschule Luzern – Wirtschaft eingesetzt und mit diversen bekannten und geschätzten Zahlen ergänzt. Berücksichtigt wurden die direkte, die indirekte und die induzierte Wertschöpfung. Die Schweizer Reisebusbranche erarbeitet im Inland eine Bruttowertschöpfung von rund 782 Millionen Franken. Zusätzlich kommen noch eingekaufte Vorleistungen, wie bspw. Treibstoffkosten, in der Höhe von 369 Millionen Franken hinzu. Der Jahresumsatz in der Branche wird auf insgesamt rund 944 Millionen Franken geschätzt.

Die Carbranche löst ein substanzielles Investitionsvolumen aus, das sich alleine bei den Fahrzeugen auf über 100 Millionen Franken jährlich beläuft. Mit der Entrichtung von pauschaler Schwerverkehrsabgabe, Mehrwertsteuer, Umsatz-/Gewinnsteuer und Mineralölsteuern in der Höhe von nahezu 100 Millionen Franken ist die Branche ausserdem eine sehr gute Steuerzahlerin.

Gleichzeitig sind die Schweizer Reisebusunternehmen wichtige Arbeitgeber. Sie sorgen für rund 4‘200 Stellen (Vollzeitäquivalente). Angesichts der hohen Anteile von Teilzeitmitarbeitenden dürfte die Anzahl der tatsächlichen Mitarbeitenden jedoch deutlich höher liegen. Insgesamt ist die Reisebusbranche in der Schweiz also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bezüglich Wertschöpfung, Steuern und Beschäftigung. Durch ihre dezentrale Verteilung der Standorte profitieren ausserdem alle Landesteile.

Alle oben genannten Zahlen beziehen sich auf «Schweizer Unternehmen in der Schweiz. Würden der Incoming-Tourismus (Einreisetourismus) und die Ausgaben der Fahrgäste noch hinzugerechnet, wäre mit einem Mehrfachen der ermittelten Wertschöpfung und Beschäftigung zu rechnen. Gleiches gilt für die Fahrt von Schweizer Unternehmen ins Ausland.

Für die Weiterentwicklung der Branche werden eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen in den Bereichen Marketing und Administration vorgeschlagen. Zusätzlich werden eine Stärkung der Wertschöpfung durch kontinuierliche Innovation bei Produkten und Qualitätssicherungen sowie ein verstärkter Einsatz von Yield Management (Steigerung der Auslastung) empfohlen.