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AKTUELL, 10.12.2021 | AUTOR: Linda Küng

Langsamverkehr: Sicherheit mit oberster Priorität – falscher Ansatz des Bundes

Die Förderung von Langsamverkehr ist ein wichtiger Beitrag für eine möglichst emissionsfreie Mobilität. Für den Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG ist Verkehrssicherheit jedoch ebenfalls oberste Priorität. Der Vorschlag des Bundesrats, dass schnelle E-Bikes und Cargo-Velos auf Strassen verkehren dürfen, geht daher in die falsche Richtung. Von entscheidender Bedeutung sind vielmehr eine leistungsfähige Strasseninfrastruktur und baulich abgetrennte Fahrspuren.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG nimmt den heutigen Entscheid des Bunderats zum Langsamverkehr mit Befremden zur Kenntnis. Grundsätzlich ist es zwar richtig, emissionsfreie Verkehrsmittel wie Fahrräder, Cargo-Bikes und elektrische Kleinfahrzeuge zu fördern. Ebenso muss Verkehrssicherheit weiterhin oberste Priorität haben – für alle Verkehrsträger und -mittel. Die ASTAG bekennt sich gerne und vorbehaltlos zu allen Massnahmen, die auf wirksame Weise zu mehr Umwelt- bzw. Klimaverträglichkeit und weniger Unfällen führen. «Nebst sinkenden CO2-Emissionen ist das Strassentransportgewerbe schon heute sehr sicher unterwegs», betont ASTAG-Zentralpräsident und Ständerat Thierry Burkart: «Die Unfallzahlen mit Beteiligung von schweren Nutzfahrzeugen gehen seit Jahren zurück».

Leistungsfähige Infrastruktur für City-Logistik

Zwingende Voraussetzung ist allerdings eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Je mehr Stau und stockender Verkehrsfluss es aufgrund zu knapper Kapazitäten gibt, desto höher sind Treibstoffverbrauch und proportional dazu der CO2-Ausstoss. Ebenso hängt die Verkehrssicherheit entscheidend davon ab, dass Fahrzeuge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten möglichst getrennt auf eigenen Flächen verkehren können. Für den Langsamverkehr sind daher nach Möglichkeit getrennte Fahrbahnen zu schaffen. Die entsprechenden baulichen Massnahmen dürfen allerdings auf keinen Fall zu einer Beschränkung der Kapazitäten zulasten des motorisierten Individualverkehrs, des Güterverkehrs und des Busverkehrs (Cars, öV) gehen. Gerade in der City-Logistik, die für Wirtschaft und Gewerbe in Städten und Agglomerationen systemrelevant ist, braucht es weiterhin eine effiziente, bedürfnisgerechte und sichere Strasseninfrastruktur – ohne zusätzliche Hindernisse, Risiken und Gefahren.

Der Vorschlag des Bundesrats, den Verkehrsraum in den Städten künftig prioritär für den Langsamverkehr zu nutzen, ist daher der falsche Ansatz. Insbesondere die vorgesehene Möglichkeit, dass Motorfahrräder weiterhin Radverkehrsflächen benutzen dürfen (aber nicht mehr müssen!) birgt ein enormes Gefährdungspotential. Schnelle E-Bikes und Lastenräder (Cargo Bikes) eignen sich nicht für die gemeinsame Nutzung von Strassen zusammen mit MIV und Güterverkehr. «In diesem Punkt muss die kommende Vernehmlassungsvorlage des Bundes nachgebessert werden», sagt Thierry Burkart.


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Dr. André Kirchhofer

Vizedirektor
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